Die Entwicklungspsychologie untersucht alle Veränderungsprozesse über die gesamte Lebensspanne — von der Empfängnis bis ins hohe Alter, nicht nur Kindheit & Jugend.
Schwerpunkt auf Kindheit & Jugend, weil dort relativ zur Zeit die meiste Veränderung passiert. Ebenen: körperlich, kognitiv, sprachlich, sozial.
Zentrale Grundsatzfragen: Anlage ↔ Umwelt (Gene vs. Erfahrung) und Stufen ↔ Kontinuität (sprunghaft vs. fließend).
| Phase | Alter |
|---|---|
| Pränatal | Empfängnis bis Geburt |
| Säuglingsalter | Geburt bis Ende 1. Lebensjahr |
| Kleinkindalter (frühe Kindheit) | ca. 1–3 Jahre |
| Mittlere & späte Kindheit | ca. 3–11 Jahre |
| Pubertät (Adoleszenz) | ca. 11–20 Jahre |
| Frühes Erwachsenenalter | ca. 20–40 Jahre |
| Mittleres Erwachsenenalter | ca. 40–65 Jahre |
| Hohes Erwachsenenalter | 65 Jahre und älter |
Befruchtung: Eizelle + Spermium verschmelzen → Zygote mit dem vollständigen Genmaterial: 46 Chromosomen (23 von der Mutter, 23 vom Vater).
| Stadium | Zeitspanne | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Germinal | Befruchtung – 2. SSW | Zygote wandert durch Eileiter, nistet sich in Gebärmutter ein; schnelle Zellteilung |
| Embryonal | 3. – 8. SSW | Zellen spezialisieren sich, Organbildung; erster Herzschlag messbar (120–160/min) |
| Fötal | 9. SSW – Geburt | Wachstum & Ausreifung; Schlaf-Wach-Rhythmus; Gehirnreifung |
Synaptic Pruning: nach Überproduktion von Nervenzellen werden ungenutzte Verbindungen wieder abgebaut (parallel zum Wachstum).
Teratogene = schädliche Umwelteinflüsse (biologisch/physikalisch/chemisch), z. B. Alkohol → Fetales Alkoholsyndrom (FAS), Medikamente (Contergan/Thalidomid), Strahlung. Besonders riskant in sensiblen Phasen (starkes Wachstum).
Frühkindliche Reflexe (Such- & Saugreflex → Nahrungsaufnahme) verschwinden in den ersten Lebensmonaten. Der Kniesehnenreflex dagegen bleibt ein Leben lang.
Säuglinge bevorzugen früh die Mutter (Stimme, Gesicht, Geruch). Visuelle Klippe (Gibson & Walk, 1960): Kinder, die schon krabbeln, meiden die „tiefe“ Seite → frühe Tiefenwahrnehmung.
Pubertät/Adoleszenz = Übergang Kindheit → Erwachsensein, mit sexueller Reifung. Hormone: bei Buben Testosteron, bei Mädchen Östrogen & Progesteron.
Jean Piaget (1896–1980): konstruktivistisch — Kinder als „kleine Wissenschaftler“, die durch Schemata Wissen aktiv konstruieren; betont die Wechselwirkung Anlage ↔ Umwelt.
| Stadium | Alter | Errungenschaft / Marker |
|---|---|---|
| Sensomotorisch | Geburt – 2 J. | Objektpermanenz; Welt über Sinne & Motorik |
| Präoperatorisch | 2 – 7 J. | Spracherwerb; Egozentrismus, Animismus, Realismus |
| Konkret-operatorisch | 7 – 11 J. | Konservierung/Invarianz (Erhaltung), Reversibilität, logisches Denken |
| Formal-operatorisch | ab 11 J. – Erwachsensein | abstrakte Logik, hypothetisches Schlussfolgern |
Kritik heute: Erwerbsalter oft zu hoch eingeschätzt — Objektpermanenz bereits ab ~3,5 Monaten (Baillargeon) statt erst mit 8 Monaten; nicht alle Veränderungen verlaufen in klar trennbaren Stufen.
Theory of Mind = Fähigkeit, sich selbst und anderen mentale Zustände (Wünsche, Überzeugungen) zuzuschreiben und zu erkennen, dass diese sich von den eigenen unterscheiden können. Entwickelt sich ab ca. 4 Jahren.
Test: die False-Belief-Aufgabe (Maxi-Aufgabe) der österreichischen Psychologen Heinz Wimmer & Josef Perner.
Maxi legt Schokolade in den grünen Schrank und geht weg; die Mutter räumt sie in den blauen Schrank um. Frage: Wo sucht Maxi?
Lawrence Kohlberg (1927–1987): Moralentwicklung über das Heinz-Dilemma erforscht. Entscheidend ist nicht die Entscheidung, sondern die Begründung. 3 Niveaus mit je 2 Stufen (= 6 Stufen); Reihenfolge für alle gleich.
| Niveau | Stufe — Orientierung |
|---|---|
| Präkonventionell (Konventionen noch nicht verstanden) | 1: heteronome Moral — Gehorsam & Strafvermeidung |
| 2: Individualismus & Austausch — Eigennutz, „Wie du mir, so ich dir“ | |
| Konventionell (Perspektive eines Gesellschaftsmitglieds) | 3: zwischenmenschl. Erwartungen — Anerkennung, „brav sein“ |
| 4: soziales System & Gewissen — Recht & Ordnung, keine strafende Instanz nötig | |
| Postkonventionell (universelle Prinzipien über Normen) | 5: sozialer Kontrakt & individuelle Rechte — größtes Wohl, Menschenrechte |
| 6: universelle ethische Prinzipien — selbstgewählte Gerechtigkeitsprinzipien |
Kohlberg: Stufe 6 rein hypothetisch (von niemandem erreicht); die meisten Erwachsenen argumentieren auf Stufe 4, wenige bis Stufe 5.
Kritik: Gilligan — Vernachlässigung der weiblichen Perspektive („Moral der Fürsorge“ ↔ „Moral der Gerechtigkeit“); zudem westlich geprägt (kaum kulturübergreifend).
John Bowlby (Grundlagen) & Mary Ainsworth entwickelten die Bindungstheorie. Ainsworths Fremde-Situation (Kind 12–24 Monate): zentral ist die Reaktion bei Rückkehr der Bezugsperson.
| Typ | Bezeichnung | Verhalten bei Rückkehr |
|---|---|---|
| A | unsicher-vermeidend | nach außen ruhig, sucht keinen Trost, vermeidet Gefühle (innerlich hohes Cortisol/Stress) |
| B | sicher gebunden | weint beim Weggehen, sucht sofort Kontakt, lässt sich trösten — Vertrauen |
| C | unsicher-ambivalent | sucht Trost, kann ihn aber nicht annehmen, nicht beruhigbar |
| D | unsicher-desorganisiert | konfus, „friert ein“ / aggressiv; Trauma; 1990 von Main & Solomon ergänzt |
Nur Typ B = sichere Bindung; A, C, D = unsichere Bindungen. Typ A wirkt äußerlich ruhig, hat aber laut Cortisol-Messung ein sehr hohes Stressniveau.
Bindungstheorie ist kulturübergreifend bestätigt; die Bindungsperson muss nicht die Mutter sein (auch Vater, Großeltern, Bezugsbetreuer:in).
Erik Erikson (1902–1994): jede Lebensphase bringt eine Krise; deren erfolgreiche Bewältigung ist Voraussetzung für die nächste Stufe. Reihenfolge der Krisen ist ein klassischer Prüfungsstolperstein.
| Alter | Krise |
|---|---|
| 0–1 J. | Urvertrauen vs. Misstrauen |
| 1–3 J. | Autonomie vs. Selbstzweifel |
| 3–6 J. | Initiative vs. Schuldgefühl |
| 6 J. – Pubertät | Kompetenz vs. Minderwertigkeit |
| Adoleszenz | Identität vs. Rollenkonfusion |
| Frühes Erwachsenenalter | Intimität vs. Isolation |
| Mittleres Erwachsenenalter | Generativität vs. Stagnation |
| Hohes Erwachsenenalter | Ich-Integrität vs. Verzweiflung |
James Marcia (Weiterentwicklung Eriksons): vier Identitätsstatus — keine Stufen, sondern Ergebnisse, definiert über Exploration & Verbindlichkeit.
Zum Abschluss ein paar Beispielfragen im Stil der Aufnahmeprüfung.
Pro Frage vier Aussagen — entscheide bei jeder, ob sie korrekt ist. Eine Frage gilt nur als gelöst, wenn alle richtigen markiert und alle falschen nicht markiert sind.
Keine Teilpunkte, keine Minuspunkte. Viel Erfolg!
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