„Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, doch nur eine kurze Geschichte.“
— Hermann Ebbinghaus, 1908
Roter Faden: wiederkehrende Kontroversen (z. B. Leib ↔ Seele) → verschiedene Schulen / Paradigmen → Paradigmenwechsel.
Paradigma = vorherrschendes Denkmuster: Grundannahmen + akzeptierte Methoden. Es legt fest, was als „wahr“ oder „gültig“ gilt.
Schon um 1000 v. Chr. denken Kulturen über die „Seele“ nach — zunächst vage, mythische Vorstellungen.
Die Orphiker (ca. 600 v. Chr., Griechenland): der Mensch = stofflicher Körper + unstoffliche Seele, getrennt → Dualismus.
Der Körper als „Gefängnis der Seele“: Körper = unvollkommenes Diesseits, Seele = vollkommenes Jenseits.
Platon (427–347 v. Chr.): dualistisch & idealistisch — die unsterbliche, vollkommene Seele ist dem Körper übergeordnet.
Aristoteles (384–322 v. Chr.), Schüler Platons: Körper & Seele sind untrennbar — die Seele „vervollständigt“ den Körper.
Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.): die Vier-Säfte-Lehre als medizinische Erklärung von Krankheiten (Namensgeber des hippokratischen Eids).
Galen (ca. 129–199 n. Chr.) verknüpft die Säfte mit der Persönlichkeit → Temperamentenlehre.
| Typ | Dominanter Saft | Wesen |
|---|---|---|
| Sanguiniker | Blut | freudvoll, schnell erregbar |
| Phlegmatiker | Schleim | langsam, ruhig, freundlich |
| Choleriker | gelbe Galle | temperamentvoll, leicht reizbar |
| Melancholiker | schwarze Galle | traurig, schwermütig |
Wirkung: eine Persönlichkeitstypologie, die bis ins 20. Jahrhundert bedeutsam blieb (vgl. Kapitel 8).
Die Römer gründen keine eigenen Schulen, tragen aber die griechischen Lehren weiter. Mit dem Christentum verschiebt sich der Fokus — von Erkenntnis zu frommem Leben.
Augustinus (354–430 n. Chr.): Körper = „äußerer Mensch“, Seele = „innerer Mensch“; die Seele ist im ganzen Körper, dem Göttlichen geöffnet und höherwertig.
Mittelalter: Forschung in Klöster- & Stiftsschulen → später Gründung der Universitäten; die Philosophie steht über allen Fächern.
Thomas von Aquin (1225–1274): Scholastik = Aristoteles + christliche Lehre; drei Seelen, die Geistseele ist von Gott und unvergänglich.
Zum Abschluss ein paar Beispielfragen im Stil der Aufnahmeprüfung.
Pro Frage vier Aussagen — entscheide bei jeder, ob sie korrekt ist. Eine Frage gilt nur als gelöst, wenn alle richtigen markiert und alle falschen nicht markiert sind.
Keine Teilpunkte, keine Minuspunkte. Viel Erfolg!
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