Teildisziplin, die untersucht, welche Prozesse & Mechanismen psychischer Vorgänge allen Menschen gemeinsam sind → universalistischer Ansatz (alle Menschen verfügen über die gleichen Funktionen).
Vorherrschender Ansatz seit der kognitiven Wende: die Kognitive Psychologie (kognitiv = „das Denken betreffend“). Entstand als Gegenreaktion zum Behaviorismus, der kognitive Prozesse ausblendet.
Themenbereiche (Modell der Inputverarbeitung): Wahrnehmung, Aufmerksamkeit & Bewusstsein · Lernen, Gedächtnis & Wissen · Problemlösen, Denken, Entscheiden · Emotion, Motivation, Volition · Sprache.
Wahrnehmung = Prozess der Aufnahme und Verarbeitung von Reizen aus der Umwelt. Die Aufmerksamkeit bestimmt, was wahrgenommen wird, und trennt Wichtiges von Unwichtigem.
Wahrnehmung ist subjektiv: Vorwissen, Vorerfahrungen, Bewertungen, Erwartungen & Emotionen beeinflussen sie → zwei Personen können denselben Reiz unterschiedlich wahrnehmen.
| Stufe | Vorgang | Disziplin |
|---|---|---|
| 1. Sensorische Empfindung | Rezeptoren nehmen Reize auf, wandeln sie in neuronale Signale um | eher Biolog. Psych. |
| 2. Wahrnehmung i. e. S. | innere Repräsentation entsteht → das Perzept (mentales Abbild) | Allg. Psych. |
| 3. Klassifikation | Einordnung des Abbilds in bekannte Kategorien | Allg. Psych. |
Bottom-up = datengesteuert, vom sensorischen Reiz aufwärts · Top-down = konzeptgesteuert, durch Vorwissen & Erwartungen (z. B. „Paris in the the spring“ – das doppelte Wort wird überlesen).
Psychophysik (Fechner) — zwei Schwellen:
Messmethoden: Grenzmethode = Reiz in auf-/absteigender Intensität · Konstanzmethode = Reize in zufälliger Reihenfolge → ergibt die psychometrische Funktion.
Signalentdeckungstheorie: eine absolute Schwelle ist nicht haltbar — Reizentdeckung ist ein subjektiver Prozess aus (1) Sensitivität (vom Reiz abhängig) und (2) kognitivem Entscheidungsprozess (Motivation, Erwartung, Antworttendenz).
| Reiz dargeboten | Kein Reiz | |
|---|---|---|
| „Ja“ wahrgenommen | Treffer | Falscher Alarm |
| „Nein“ | Verpasser | Korrekte Zurückweisung |
Viele Treffer + wenige falsche Alarme = hohe Sensitivität. Viele falsche Alarme = Ja-Sage-Tendenz; viele Verpasser = Nein-Sage-Tendenz (Antworttendenzen).
Aufmerksamkeit = Filter, der vorsortiert, welche Reize relevant sind. Unaufmerksamkeitsblindheit: Simons & Chabris (1999) — beim Pässe-Zählen übersehen viele den „Gorilla“.
Endogene Aufmerksamkeit = von innen, kognitiv gesteuert (Erwartungen, Vorwissen) · Exogene Aufmerksamkeit = wird von äußeren, plötzlichen Reizen automatisch angezogen.
Cueing-Paradigma (Posner 1980): Hinweisreiz (Cue) kündigt Position des Zielreizes an; gemessen wird die Reaktionszeit. Reaktionszeit: valide < neutral < invalide. Blick bleibt fixiert (Augenbewegungen ausgeschlossen).
Selektive Aufmerksamkeit: Cocktailparty-Effekt (selektives Hören) · dichotisches Hören (Cherry 1953 – Inhalt am unbeachteten Ohr unbekannt) · Split-Span-Paradigma (Broadbent 1954 – Selektion nach physikalischer Eigenschaft = Lokalisation/Ohr).
Farbe hängt von der Wellenlänge ab (Auge: ~400–700 nm); Intensität = Helligkeit, Reinheit = Sättigung.
Dreifarbentheorie (Young & v. Helmholtz): Farbwahrnehmung beruht auf drei Rezeptortypen (Zapfen) mit unterschiedlicher Empfindlichkeit. Gegenfarbentheorie (Hering): gegensätzliche Farbpaare Rot–Grün, Blau–Gelb, Schwarz–Weiß → erklärt Nachbilder in der Komplementärfarbe.
Tiefenhinweise: monokular (ein Auge): Linienperspektive, relative Größe, Verdeckung, atmosphärische Perspektive. Binokular (beide Augen): Konvergenz & Akkommodation (okulomotorisch, bis ~3 m), Querdisparation (leicht verschiedene Netzhautbilder → Raumeindruck).
Ames-Raum (1935): manipulierte Tiefenhinweise lassen eine weiter entfernte Person kleiner erscheinen.
Zwei Pfade der visuellen Verarbeitung: ventral (→ Temporallappen) = „Was“-Pfad / Vision for Perception · dorsal (→ Parietallappen) = „Wo“- bzw. „Wie“-Pfad / Vision for Action (Goodale & Milner). Beleg: doppelte Dissoziation bei Hirnschädigungen.
Lernen = durch Erfahrung entstandene, relativ überdauernde Verhaltensänderung. Es verändert die Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens (nicht deterministisch) → Verhaltenspotenzial (Gelerntes muss sich nicht sofort in Leistung zeigen).
Abgrenzung: keine Verhaltensänderung durch Reifung/Entwicklung (z. B. Theory of Mind), Ermüdung oder Drogen.
Explizit = bewusstes Lernen · implizit = automatisch, ohne bewusste Verarbeitung. Habituation, Sensitivierung sowie klassische & operante Konditionierung gelten als implizites Lernen.
Nicht-assoziatives Lernen (keine Assoziation zwischen Reizen nötig):
Klassische Konditionierung (Signallernen, Pawlow): durch gemeinsames Auftreten zweier Reize entsteht eine Assoziation, sodass ein zuvor neutraler Reiz die Reaktion auslöst. Relativ passiver Prozess (Reiz–Reiz).
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| UCS (unkond. Reiz) | löst von Natur aus eine Reaktion aus | Futter |
| UCR (unkond. Reaktion) | angeborene Reaktion auf den UCS | Speichelfluss |
| CS (kond. Reiz) | urspr. neutraler Reiz, nach Paarung mit UCS | Glocke |
| CR (kond. Reaktion) | gelernte Reaktion auf den CS allein | Speichelfluss |
Löschung (Extinktion): CS ohne UCS → CR nimmt ab. Reaktion wird nicht verlernt; Spontanremission = CR taucht später kurz wieder auf.
Reizgeneralisierung: ähnliche Reize lösen die CR ebenfalls aus (je ähnlicher, desto stärker) — Little Albert (Watson & Rayner): Furcht vor Ratte → allem Weißen mit Fell. Reizdiskrimination: gelernte unterschiedliche Reaktion auf ähnliche Reize (nur ein Reiz mit UCS gepaart).
Operante Konditionierung (Belohnungslernen): die Konsequenzen einer Handlung bestimmen, ob sie wiederholt wird (Reiz–Reaktion, S–R). Thorndike: Gesetz des Effekts (Lernen durch Versuch & Irrtum, Problemkäfig). Skinner: Skinner-Box, Operandum (Hebel), Verstärker = beobachtbar.
Verstärkung erhöht die Verhaltenswahrscheinlichkeit, Bestrafung senkt sie. Primäre Verstärker befriedigen biolog. Bedürfnisse (Nahrung); sekundäre (z. B. Geld) entstehen durch klassische Konditionierung.
| Reiz hinzufügen (+) | Reiz entfernen (−) | |
|---|---|---|
| Verhalten ↑ (Verstärkung) | positive Verstärkung angenehmer Reiz dazu (Lob, gute Note, Geld) | negative Verstärkung unangenehmer Reiz weg (von Haushalt befreit) |
| Verhalten ↓ (Bestrafung) | positive Bestrafung unangenehmer Reiz dazu (zusätzl. Küchendienst) | negative Bestrafung angenehmer Reiz weg (Fernsehverbot, Hausarrest) |
Wie bei der klassischen Konditionierung gibt es auch hier Löschung (Verstärkung bleibt aus), Spontanremission, Reizgeneralisierung & -diskriminierung.
Beobachtungslernen / Modelllernen (Bandura, Bobo-Doll): Lernen durch Beobachtung eines Modells — gehört zur kognitiven Psychologie, nicht zum Behaviorismus; stellvertretende Verstärkung (belohntes Modell → mehr Nachahmung).
Gedächtnisprozess in drei Phasen: Enkodierung (Reiz → neuronaler Code) → Speicherung (Aufbewahrung) → Abruf (ins Bewusstsein zurückholen). Fehler kann auf jeder Stufe entstehen.
| Speicher (Atkinson & Shiffrin 1968) | Dauer | Kapazität |
|---|---|---|
| Sensorischer Speicher (ikonisch/echoisch) | sehr kurz, zerfällt | enorm groß |
| Kurzzeitspeicher | ~30 s ohne Wiederholung | begrenzt (~7 ± 2) |
| Langzeitspeicher | bis lebenslang | sehr hoch |
Nur Reize, auf die die Aufmerksamkeit gerichtet ist, gelangen vom sensorischen in den Kurzzeitspeicher. Kritik: die zentrale Stellung des KZG (alles muss durch das KZG) ist nicht haltbar.
Millersche Zahl 7 ± 2 = Kapazität; Chunking (Gruppieren z. B. 1-9-4-5 → Jahreszahl) erhöht die nutzbare Menge.
Arbeitsgedächtnis (Baddeley & Hitch 1974; Baddeley 2000), 4 Komponenten: zentrale Exekutive (Steuerung/Aufmerksamkeit, koordiniert) · phonologische Schleife (sprachlich-akustisch) · visuell-räumlicher Notizblock (visuell/räumlich) · episodischer Puffer (Schnittstelle, verknüpft mit LZG).
| Langzeitgedächtnis | Bewusst? | Inhalte |
|---|---|---|
| Explizit (deklarativ) | bewusst abrufbar | semantisch = Faktenwissen · episodisch = persönliche Erlebnisse (Tulving) |
| Implizit (non-deklarativ) | nicht bewusst | prozedural (Fertigkeiten, z. B. Radfahren), Konditionierung, Priming |
Amnesie: retrograd = Ereignisse vor der Schädigung weg · anterograd = keine neuen Inhalte mehr speicherbar. Patient H.M.: anterograde Amnesie, doch motorisches (prozedurales) Lernen blieb erhalten.
Enkodierspezifität: Abruf ist besser, wenn die Bedingungen bei Enkodierung & Abruf übereinstimmen (Kontext-/Passungseffekt; Godden & Baddeley – Lernen unter Wasser vs. am Ufer).
Serieller Positionseffekt (freie Wiedergabe): Wörter am Anfang & Ende werden besser erinnert. Primacy = Anfang (mehr Rehearsal → LZG) · Recency = Ende (noch im KZG). Recall (Wiedergabe) ist schwerer als Recognition (Wiedererkennen).
Vergessenskurve (Ebbinghaus, sinnlose Silben, Ersparnismethode): rascher Abfall in der ersten Stunde, danach langsam. Interferenz: proaktiv = Altes stört Neues · retroaktiv = Neues stört Altes.
Zum Abschluss ein paar Beispielfragen im Stil der Aufnahmeprüfung.
Pro Frage vier Aussagen — entscheide bei jeder, ob sie korrekt ist. Eine Frage gilt nur als gelöst, wenn alle richtigen markiert und alle falschen nicht markiert sind.
Keine Teilpunkte, keine Minuspunkte. Viel Erfolg!
Interaktive Folien. Mit ▶ / Pfeiltasten (oder Klick) blätterst du Schritt für Schritt durch die Lerneinheit — inklusive Selbsttest im Prüfungsformat.